Rainer Weichbrodt

Manager, Berater, Coach, Dozent, Autor und Redner
Inhaber der Unternehmensberatung "das MID",
Management Institut Dortmund GmbH
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Der Digitale Wandel – Gedanken eines Baby Boomers

Also für die, die es nicht wissen, als Baby Boomer bezeichnet man die Menschen der starken Geburtenjahrgänge, heute etwa die Generation 50+, dazu zähle ich. Wir sind nicht groß geworden mit den digitalen Medien wie es die jungen Generationen sind, also wie die sogenannten Digital Natives. Dennoch erinnere ich mich, als Kind mit Lochkarten gespielt zu haben, die mein Vater nach Hause brachte. Ich frage mich, ob seine Generation nicht die wahren Helden eines Digitalen Wandels waren.

Der digitale Wandel
Ich werde nicht über pro und contra des digitalen Wandels schreiben, über den heute soviel geschrieben wird. Der nächste Digitale Wandel findet statt, so oder so und das ist gut so. Und er birgt Potential unser (Arbeits-)leben so zu gestalten, dass Nutzen und Wohlbefinden steigen können. Kann so sein, muss aber nicht.

Was verstehen wir unter digitalem Wandel konkret? Ich denke der Diskurs läuft noch und die Frage kann nicht abschließend beantwortet werden. Als hier meine „heutige“ Meinung dazu. Zunächst möchte ich mich auf die Arbeitswelt beschränken und nicht in eine gesellschaftliche Debatte einsteigen.

Der Digitale Wandel ist ein Veränderungsprozess von einem analogen Prozess zu einem digitalen oder die Transformation von einer digitalen Technologie zur anderen. Damit ist der Digitale Wandel für mich keine Errungenschaft des 21. Jahrhunderts und auch nicht der der Digital Natives.

Mit Einführung der Computer und dessen Durchdringung der Arbeitswelt findet diese Digitale Transformation statt. Erst Datenbanken, dann ERP-Systeme dann Workflow-Systeme und nun Social Intranets standen in diesem Wandel für einige Entwicklungssprünge.

Der Digitale Wandel sucht nach weiteren Eliminierungen der analogen Prozesse. Wenn Google ein fahrerloses Auto entwickelt, dann übernimmt Technik die analogen Prozesse des Menschen. Die Wahrnehmung des Umfeldes, die Entscheidungsfindung und die Steuerung der Motorik werden von digitalen Modulen übernommen. Im DiWa werden wir weitere technische Möglichkeiten suchen, die zur Eliminierung analoger Prozesse im Arbeitsleben führen. Das Internet der Dinge gehört dazu. Insbesondere kommt mir dieser technologische Aspekt unter dem Begriff Industrie 4.0 immer wieder vor.

Bereits digitalisierte Prozesse oder Datenhaltung werden auf neue Medien übertragen. Auch Entwicklungen von Diskette auf CD, USB oder Cloud sind Beispiel für Veränderungen in der digitalen Welt. Ich spüre heute noch den Spirit des Silikon Valleys in der Entwicklung von Personal-Computern. Als Student hatte ich meinen PC mit in ein Unternehmen gebracht, als dort noch keine im Einsatz waren. Die hatten eine IT-Abteilung mit Mensch hohen Computern und SAP R/2 im Einsatz. PCs waren als suspekt empfunden und eher als temporäre Erscheinung abgetan. Selbst Global Player wie IBM hatten diese Form des digitalen Wandels nicht für möglich gehalten. Eigentlich war es nur ein neues technisches Medium, vielleicht vergleichbar mit den heutigen Möglichkeiten mobiler Geräte, oder? Nein, es war die erste Befreiung von der IT-Abteilung! Auch das hatte etwas mit Machtverteilung zu tun. Die Entwicklung und der Einsatz von PCs im Arbeits- und Privatleben war ein erheblicher digitaler Wandel. Er hat zumindest die erste Hälfte des fünften Kondratieff-Zyklus geprägt, ca. die Zeit von 1975-1995. Wenn hier nicht im Silicon Valley Geschichte des digitalen Wandels geschrieben wurde, dann hab ich es nicht verstanden.

Ich denke, dass die Internettechnologie in den letzten 20 Jahren ebenfalls einen Quantensprung ermöglichte und bereits die zweite Hälfte des 5. Kondratieff-Zyklus bis ca. 2010 geprägt hat. Im Klartext: Wesentliche Basis unseres heutigen Wohlstandes ist diese digitale Transformation unserer Gesellschaft und die Entwicklung der „TIMES“-Branchen (Telekommunikation, IT, Medien, Entertainment, Sicherheit).

Für mich ist der digitale Wandel ein stetiger Prozess, der heute durch die Kombination der Möglichkeiten der Internettechnologie, neuer ausgereifter Technik und des verändertem Konsumentenverhalten belebt wird und Potential für Veränderungen bietet.

Auf die drei Aspekte, die ich in meiner Praxis als relevant erlebe, möchte ich eingehen. Das sind Technologie, Geschäftsprozesse und Beschäftigte.

 

Technologie

Das Beispiel mit dem Google Fahrzeug habe ich genannt. Wir wissen, dass seit vielen Jahren führerlose Gabelstapler durch automatisierte Läger fahren. Wir brauchen technologische Entwicklung, um unsere wachstumsbasierte Wirtschaft zu entwickeln. Ob wir Wachstum als Gesellschaft wirklich brauchen ist ein anderes Thema. Technologie ist Wachstumstreiber. Studien und Prototypen helfen uns, unser Vorstellungsvermögen zu entwickeln und unserer Innovationskraft zu erhalten. Nicht jede Technologie ist für jedes Unternehmen von gleich wichtiger Bedeutung. Nicht jede Technologie wird sich durchsetzen. Jedes Unternehmen sollte aber bewusst prüfen, welche potentielle Rolle eine Technologie auf dessen Geschäftsmodell und die Gestaltung der Geschäftsprozesse haben könnte. Technologie-Innovationen sind hier Treiber des Digitalen Wandels.

 

Geschäftsprozesse

In den letzten drei Jahrzehnten waren Unternehmen insbesondere bestrebt, ihre Geschäftsprozesse zu „optimieren“. Business Reengineering ist nur ein Schlagwort dazu. Insbesondere in der wachstumsbasierten globalen Ausrichtung eines Unternehmens sollten Effizienz, Risiko, Qualität und Komplexität verbessert werden. Standardisierung und Reduktion von Freiheitsgraden waren und sind nach wie vor die Wege. So ticken die meisten Unternehmen, so ticken die meisten Manager, das ist meine Wahrnehmung. Mit dem „Lopez-Effekt“ wurde dies nochmals verstärkt. Kunden wie große Automobilhersteller haben ihren Lieferanten gezeigt wie es noch effizienter gehen kann, wenn diese nicht selbst drauf kamen. Das Fatale, es war erfolgreich. Zumindest über viele Jahre. Manager, die auf dieser Klaviatur spielen waren und sind heute noch gefragt. Für sie findet der digitale Wandel nur statt, wenn dieser die Geschäftsprozesse verbessern hilft. Automatisierung, Reduktion von Freiheitsgraden etc. Viele haben ich kennen gelernt, für die Soziale Medien – vorsichtig ausgedrückt – nicht die erste Wahl der digitalen Transformation sind.

Die Frage des digitalen Wandels findet sich hier alleine in den Geschäftsprozessen wieder. Sie müssen messbar und quantifizierbar sein. Wohlgemerkt ich gebe nur meine Erfahrung wieder, meine Meinung läuft da oft sehr konträr. Mittlerweile leiden viele Unternehmen unter diesem Standardisierungswahn tradierter Managementpraxis. Innovationskraft, Flexibilität und Motivation der Mitarbeiter leiden zunehmend darunter. Hier ist ein großes Spannungsfeld entstanden zwischen Standardisierung und Flexibilisierung von Arbeit. Der digitale Wandel kann beides verstärken. Unternehmen sollten sich hier darüber bewusst werden, welchen Weg sie gehen wollen.

Beschäftigte

In den Medien wird, für mich eher kontraproduktiv, die Flexibilisierung der Arbeit kolportiert mit dem Bedürfnis und der Erwartungshaltung einer nachrückenden Generationen von Mitarbeitern, die als Generation Y oder Why, Z oder F, wie auch immer bezeichnet werden. Sie forderten eine höhere Flexibilität der Arbeit, die freie Nutzung von Kommunikationsmittel und wollten sich aktiv einbringen und wiederfinden. Wenn das nicht so ist, dann sei man nicht attraktiv als Arbeitgeber. Das treibt Blüten (zugegeben auch durch mich) unter den Begriffen #newwork, Feelgood Management oder Employer Branding. An vielen Unternehmen geht diese Diskussion völlig vorbei, andere nutzen es, um über den verwöhnten Nachwuchs zu jammern. Es gibt aber auch Unternehmen, die sich aktiv um diese Frage kümmern. Für diese ist der digitale Wandel wichtig, weil er Möglichkeiten der Mitarbeiterbeteiligung, des offenen Austausches und des gemeinsamen Lernens ermöglicht. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) hat dazu das Grünbuch Arbeiten 4.0 herausgegeben. Grünbuch heißt, dass man einen Diskurs anregen möchte. Man weiß eben noch nicht, wie Arbeiten 4.0 konkret aussehen sollte. Persönlich halte ich für Unternehmen, deren Erfolg von Wissen und Innovationskraft abhängen, u.a. den Weg über Social Collaboration unumgänglich.

 

Kompetenzen des digitalen Wandels

Medienkompetenz

Zunächst sind dies (bei dem heutigen digitalen Wandel) natürlich die Kenntnisse über Möglichkeiten der Internettechnologie, Sozialer Medien und mobiler Endgeräte. Hier macht es nicht nur Sinn tatsächlich Digital Natives in den Projekten des Digitalen Wandels einzubeziehen, es ist ein absolutes Muss. Die wertvolle Erfahrung der älteren Beschäftigten kann hier ein Stolperstein für Imaginationsvermögen sein.

Prozess- und Organisationswissen

Der digitale Wandel nimmt Einfluss auf die Geschäftsprozesse und die Kommunikations- und Kollaborationsprozesse in Unternehmen. Unabhängig vom Medieneinsatz benötigt man hier entsprechendes Wissen, wie Geschäftsprozesse in Organisationen konkret gestaltet werden, und dies nicht nur beschränkt auf den Marketing-Prozess. Mir persönlich wird der digitale Wandel zu sehr auf Social Media Marketing fokussiert. Das ist wichtig, aber nur ein Prozess der vielen Wertschöpfungs- und Supportprozesse in einem Unternehmen, die durch die digitale Transformation verbessert werden können.

IT-Kompetenz

Hier ist eine ganzheitliche Sicht auf die IT nötig. ERP-Systeme, Datawarehouse, CRM Business Intelligence. Unter solchen Begriffen wie Big Data werden die Systeme ja nicht obsolet. Im Gegenteil, diese Systeme erhalten durch den digitalen Wandel zunehmend Sinn, aber auch umgekehrt.

Generationsübergreifende Kollaborations-Kompetenz

Der Digitale Wandel erfordert eine intensive und wertschätzende Zusammenarbeit über Fachgebiete hinaus, aber auch über die Altersgenerationen hinweg. Im Veränderungsprozess muss man auch das wertschätzen, was man zurück lässt. Erst dann gelingt ein Wandel. Ein Winken mit der „Dringlichkeitsfahne“ weckt nur das „Kind-Ich“ und den Trotz der Menschen, von denen man Änderungen erwartet. Wer welchen Wandel auch immer gestaltet, er muss Wandel gestalten können. Es sind prozessuale und persönliche Kompetenzen dafür nötig. Wir brauchen Respekt für alle Menschen, ober jünger oder älter. Für mich gehört da auch eine durchaus kritische Haltung gegenüber neuen Medien zur Gestaltung des Wandels dazu.

Führungsstile

Ich spreche mal hier nicht von Kompetenz, denn es besteht keine einheitliche Meinung darüber, welche Führungsstile als gut zu bezeichnen sind. Eine Flexibilisierung von Arbeit mit mehr Transparenz und Machtverteilung auf Mitarbeiter verlangt aber entsprechende Haltung der Führungskraft, die bereit ist Kontrolle abzugeben oder zu reduzieren. Das ist m.E. die viel größere Barriere als z.B. ein Mangel an Medienkompetenz. Organisationen verändern sich aus hierarchischen Strukturen zunehmend in Netzwerkstrukturen. Damit muss man als Führungskraft umgehen können, wenn man diesen Schritt der Partizipation und sozialen Vernetzung gehen will. Viele tun sich hier schwer. Manche sagen mir:“Ich habe es anders gelernt, anders Erfolg gehabt und fühle mich genauso mit meinem Führungsstil sicher. Diese Sicherheit würde ich verlieren.“  Es ist so wie es ist. Was wäre der richtige Rat für einen Geschäftsführer oder Unternehmer in dieser Situation?

 

Letztendlich ist die Definition des erwarteten digitalen Wandel noch nicht abgeschlossen. Deshalb auch das Grünbuch des BMAS zum Diskurs über Arbeiten 4.0.

Ich werde in weiteren Beiträgen über meine Erfahrungen und Praxis-Beispiele berichten, die ich in den letzten 15 Jahren mitgestalten durfte. Ich habe u.a. in der TOP-Initiative des Wirtschaftsministeriums bereits vor 10 Jahren Unternehmen umgesetzte und erfolgreiche Lösungen des digitalen Wandels aufgezeigt.

Es hat sich ein dominantes Feedback dargestellt. Zunächst waren alle überwältigt, das war Klasse und so was hatten sie sich nicht vorstellen können, also 100% positiv.

Nach einmal durchatmen dann, „..aber das kann ich mir bei uns nicht vorstellen – da macht unsere Geschäftsleitung nicht mit – und sie sind uns ja mindestens 10 Jahre voraus“.

Mir ist dann immer rausgerutscht: „ Ja, und in 10 Jahren sind wir 20 Jahre voraus“. Vielleicht brauchen wir erst diesen öffentlichen Diskurs auch in den sozialen Medien, um die Chancen des nächsten Digitalen Wandels zu verstehen

Diskutiert doch einfach mit auf der BMAS-Seite http://www.arbeitenviernull.de/

Rainer Weichbrodt
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