Führung ist Energiewirtschaft (1) – Brauchen Sie Innovation?

Rainer Weichbrodt Alle Blog Beiträge, Betriebliche Gesundheitsförderung, Strategische Personalführung

In Vorbereitung meiner ersten Veröffentlichung zu meinem Modell zur gesunden Führung beschreibe ich heute bereits die ersten vier Faktoren des Modells. In vier Blog-Artikeln erhaltet ihr also auch so etwas wie das „Making of“ dieses Modells.

Heute schreibe ich etwas über die ABCD Energien, wie ich sie vor mehr als 20 Jahren bei Vera Birkenbihl kennen lernte. Dieses Modell  kreuzte nun zum dritten Mal meinen Weg, und zwar bei den Fragen

  1. was hilft um erfolgreich zu sein
  2. warum sind manche Unternehmen innovativer als andere
  3. wie sieht gesunde Führung aus

Vera Birkenbihl sprach von ABCD Energien. Insbesondere durch die starke Zunahme psychischer Belastungen hat dieses Modell  eine zunehmende Bedeutung.

 

A Energie für die physische Gesundheit

Wir kennen das. Wir haben uns erkältet, Fieber und fühlen uns alles andere als fit. Wir sind geschwächt und das ist gut so. Unser Körper ist schlau genug, Energien in den Genesungsprozess zu steuern. Das hat absolute Priorität. Aber es erfordert Energie, die für andere Dinge nicht mehr zur Verfügung steht.

Betriebliches Gesundheitsmanagement kann hier unterstützen, die physische Gesundheit der Beschäftigten zu fördern. Ziel wäre es, weniger  A-Energie zu verschwenden und Mitarbeiter physisch fit zu halten.

 

B Energie für die psychische Gesundheit

B für „Bin ich ok“ nannte Vera Birkenbihl das. Die Internationale Arbeitsorganisation (International Labour Organisation, ILO) versteht im Einklang mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) unter mentaler Gesundheit das subjektive Wohlbefinden von Individuen, die sich imstande fühlen, ihr Leben zu meistern, Herausforderungen anzunehmen und Verantwortung zu übernehmen (und nicht etwa nur die Abwesenheit von Beeinträchtigungen).

Das subjektive Empfinden, sein Leben (auch Arbeitsleben) selbstbestimmt gestalten zu können, geht den Menschen aus unterschiedlichen Gründen zunehmend verloren.

Ich erlebe dies zurzeit in der Bankenwelt. Überregulierung, Wegbrechen von Geschäftsmodellen, Veränderungsdruck und Ängste. Wir haben uns in unserer Wohlstandsgesellschaft auf der Leiter der Maslowschen Bedürfnispyramide nach oben gearbeitet und spüren nun wie diese Leiter zu wackeln beginnt.

Das Fatale, der Verbrauch von B-Energie ist Verschwendung. Noch schlimmer, es besteht die Gefahr in einen negativen Kreislauf zu kommen. Die negative Kraft negativer Gedanken.

Das sollten auch langsam die Führungskräfte begreifen, die Glauben durch Ängste ihre Mitarbeiter in den Griff bekommen zu müssen. Irgendwie muss Führung also Rahmenbedingungen schaffen, die Gestaltungsspielräume geben. Partizipation und Eigenverantwortlichkeit bei den Beschäftigten spielen hier eine große Rolle. Standardisierungen, Regulierungen und Rollouts verbrauchen B-Energie.

 

C Energie für das Tagesgeschäft

Jetzt erst werden Mitarbeiter für das Unternehmen produktiv!  Hoffentlich ist noch Energie übrig.

Die Routine-Arbeit ist zu erledigen. Eingangskörbchen abarbeiten, Kommunikationskanäle bedienen,  dokumentieren und ablegen.

Wie schafft man hier Energie? Moderne IT und optimierte Prozesse helfen  Effizienz zu steigern und Energien freizusetzen.

Aber Vorsicht! In manchen Unternehmen beschäftigten sich  ganze Abteilungen damit,  C-Energie freizusetzen. Dabei verursachen sie manchmal einen immensen Bedarf an B-Energie.

Qualitäts- und Prozessmanager und IT neigen dazu, Gestaltungsräume abzubauen und zu vereinheitlichen.  Dies geschieht mit der positiven Absicht, den Aufwand für Routinearbeiten zu reduzieren.

Ich habe einige Unternehmen kennen gelernt, bei der die Rechnung nicht aufging. Man muss die Rechnung halt mit Menschen machen, sonst ist Management ein Nullsummenspiel

D Energie Wofür?

Stellt euch vor es bleibt noch Energie übrig. Mitarbeiter abbauen? Sie in ihrer Langeweile alleine lassen?

Auf die Frage nach der Innovationskraft von Unternehmen bin ich zur Überzeugung gelangt, dass es genau die Menge an D Energie ist, die entscheidend ist für Innovation. Projekte, Weiterbildung, Partizipation und Innovation greifen genau hier.

Und ich habe mich entschieden diesen Faktor in meinem Modell als Joker-Faktor zu nutzen. Ich habe nämlich in meiner Führungsarbeit erleben dürfen, dass Mitarbeiter hier zwar gerne Energie investieren, aber dennoch auch Energie bekommen. Fast wie ein Perpetuum Mobile.

Gibt man ihnen die Möglichkeit selbstbestimmt Innovationen voran zu treiben, werden sie selbst Technik nutzen, die ihre Routinearbeit optimiert und enorme Mengen als B-Energie freisetzen.

Ich behaupte, durch gute Führung wird Innovationfähigkeit kosten-  und mühelos erreicht. D Energie ist aber auch der Hebel  für eine Burn-Out Prophylaxe

Ich lese immer wieder Statistiken darüber, wie viele Beschäftigte nur Dienst nach Vorschrift machen. Oft habe ich erlebt, dass sich genau die darüber empören, die alles dafür tun, dass Mitarbeiter Dienst nach Vorschrift machen.

Die Zusammenhänge sind natürlich viel komplexer und nicht linear. Es gibt Wechselwirkungen, die Entwicklungen positiv und negativ beeinflussen.

Es gibt viel zu tun!

Am 25.Juni findet als Abschluss der Reihe MID-Dialog zur Zukunft der Arbeit ein Seminar zum Modell statt. (mehr Infos)