Führung ist Energiewirtschaft (2) – Werte und Wissen

Rainer Weichbrodt Alle Blog Beiträge

Im letzten Artikel habe ich eine Seite der Energiebilanz beschrieben, die Energieverwendung in den vier Kategorien in der Nummerierung des MID Modells der gesunden Führung.

8. Erhalt der physischen Gesundheit
9. Arbeit mit dem Verlust der mentalen Gesundheit
10. Routinearbeiten
11. Innovation und Wachstum (Joker)

Zur Bilanz gehören immer zwei Seiten. Die zweite ist die der Energieherkunft. Klar brauchen wir die Luft zum Atmen und eine ausreichende Versorgung mit Nährstoffen. Darum soll es hier nicht gehen, das ist für mich ein Thema der betrieblichen Gesundheitsförderung und des Erhalten der physischen Gesundheit.

Jürgen Klopp – Niemals geht man so ganz

Gestern ist zu meinem Bedauern das Ende der Ära Klopp für Dortmund angekündigt worden. Ich habe mir die Kulturentwicklung des BVB sehr intensiv betrachtet und glaube, dass man dabei viel zum Thema Führung lernen kann. Irgendwie hat das was ich in dem Verein spüren kann zu meinem Modell der gesunden Führung inspiriert. „Nielmals geht man so ganz“ wäre ein passendes Lied zum Abschied. Der Verein steht für Leistung, aber nicht ohne Freude. Der Verein steht mittlerweile für wirtschaftlichen Erfolg, aber nicht ohne Menschlichkeit und Bodenhaftung. Zu diesem Geist hat Klopp viel beigetragen, und ich habe große Hoffnung, dass dieser Geist auch in Zukunft lebt.

Trotzdem wird spekuliert. Energiedefizite? Bei der Mannschaft, beim Trainer?

Das Phänomen über das ich schreiben möchte nennt man in der Medizin Selbstheilungskräfte. Zunehmend auch in der Schulmedizin anerkannt, aber weniger erforscht. Oft auch in die esoterische Ecke gedrängt. Deshalb kann und will ich auch nicht tief in wissenschaftliche oder pseudowissenschaftliche Erkenntnisse eintauchen.

Aber wie wäre es, mal Abstand zu nehmen, und Lebenserfahrung und Vernunft einzusetzen. Das Wesentliche zu erkennen, das ist manchmal so trivial.

Und trotzdem. Immer mehr Menschen fühlen, dass sie an energetische Grenzen stoßen. Erschöpfung ist die Konsequenz unserer Leistungsansprüche, dies zu tabuisieren ist nur dumm.
In der östlichen Medizin greift man auf das Modell der menschlichen Energiequellen (Chakren) zurück. Die sieben Hauptenergiequellen bilden nun auch die ersten sieben Kriterien des Modells gesunder Führung. Die ersten zwei werde ich nun beschreiben. Die übrigen dann in nächsten Beiträgen.

 

1. Ethik / Werte (Kronen-Chakra)

Jeder einzelne von uns ist dominiert von einer Bewusstseinsebene und damit verbundenen Wertemuster. Dabei bewerten wir meist intuitiv das als gut, was unseren individuellen Werten entspricht.
Stelle ich fest, dass ich in einem Umfeld arbeite, das meinen Werten entspricht dann bringt das Energie. Es geht nicht um gute oder schlechte Werte, es geht um gleiche oder verschiedene Werte.

Das Cultural Transformation Tools (CTT) von Richard Barrett (Barett Values Centre) ist hier ein gutes Instrument, solche Energieverluste durch einen Mangel an Werte-Übereinstimmung innerhalb einer Potentialberatung zu bewerten.

Im Video gibt es eine Anleitung zum Modell von Richard Barett in englischer Sprache:


Potentialberatungen benötigen letztlich fundierte Instrumente, die gute Unternehmensberatungen auch anbieten können. Das Modell von Richard Barrett erklärt eben auch das Leistungsspektrum des Management Institut Dortmund. Ein Unternehmen, das im „Survival-Modus“ läuft hat nicht die Muße sich über den demografischen Wandel oder Umweltmanagement Gedanken zu machen. Die Ebenem bilden ein Kontinuum zwischen Geld und Ethik, und auf beides sollten Unternehmen nicht verzichten. Folgende Grafik zeigt eine Zuordnung des MID Leistungsspektrums und den sieben Werteebenen nach Richard Barett.


Wie empfindet ein Mitarbeiter der Deutschen Bank in einer Vorort-Filiale das Gebären der Investment-Bänker, Rückstellungen für Strafverfahren in Milliardenhöhe und die Vorgaben und den Druck verkaufen zu müssen? Einen HR-Manager aus einem Versicherungskonzern begegnete mir dazu vor einigen Wochen, dass sich die Beschäftigten sich das doch so ausgesucht hätten. Haben sie das wirklich? Ich denke, dass in der Finanzwirtschaft enorme Entropien herrschen. Die Deutsche Bank plant nun das Filialnetz loszulösen vom Investment-Banking. Aufteilung in Good-Bank und Bad Bank aus kultureller Hinsicht? Was gut und was schlecht dabei wäre könnt Ihr selbst entscheiden – eine gute Übung zur Selbstreflektion.
Die Zusammenarbeit mit Menschen gleicher Werte schafft Energie und Diskrepanzen rauben Energien. Ein offener Umgang, Achtsamkeit und Toleranz können dies deutlich mindern.
Wertemuster sind übrigens nicht statisch und können sich über die Zeit signifikant ändern.

 

2. Wissen und Kompetenz (Stirn Chakra)

Natürlich ist es trivial. Habe ich für eine Aufgabe nicht ausreichendes Wissen und Kompetenz, benötige ich mehr Energie. Informationen beschaffen, Nachlesen, Leute fragen, Negative Gedanken über das Scheitern machen, über den Chef ärgern, dass er mir eine solche Aufgabe gibt…

Auch das ist ein kultureller Aspekt. Wie wird in einem Unternehmen mit Wissen umgegangen. Bekommt man Informationen? Kann man jemanden fragen? Ich kann nur wachsen, wenn ich Wissen und Kompetenzen entwickeln kann.

Prof. Fredmund Malik vom Management Zentrum St. Gallen empörte sich vor 10 Jahren in der Zeitschrift Die Welt über den Hype zum Thema Wissensmanagement. Wissen ist in Köpfen von Menschen und das sei Aufgabe von Personalführung. Kurz danach ist er dem Hype auch gefolgt. Aber Recht hatte er. Wissen & Kompetenzentwicklung ist Führungsverantwortung.

Mit Wissen und Kompetenz wachse ich als Mensch. Der Neurobiologe Prof. Gerald Hüther hat festgestellt, dass Wachstum und Verbundenheit zwei wichtige Bedürfnisse des Menschen ein Leben lang sind. Dies sei aus der embryonalen Phase übernommen. Zur Verbundenheit dann mehr im nächsten Beitrag.

Auf YouTube gibt es einige Vorträge von Prof. Hüther, hier ein kleinerer Vortrag.

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Mein Deja-vu schon wieder dieser Maslow
Die etwas andere Energiekrise